Menschen, Städte und Flüsse

Integriertes Entwicklungskonzept für Dahlhausen

Nicht ohne Stolz weiß Dahlhausen zu berichten, dass es der einzige Stadtteil Bochums ist, der tatsächlich – und damit anders als etwa Linden oder Stiepel – direkt am Ruhrufer gelegen ist. Die industrielle Nutzung der Region und der Ausbau der Eisenbahnanbindung in den vorangegangenen Jahrhunderten haben jedoch dafür gesorgt, dass weite Teile Dahlhausens dennoch keinen direkten Ruhrzugang genießen. Nicht zuletzt diese Tatsache ist einer der wichtigen inhaltlichen Aufhänger für die lokalen politischen Entscheidungsträger den Stadtteil im Rahmen eines groß angelegten Sanierungsprogramms mit Hilfe öffentlicher Gelder von Land und Bund fit für die Zukunft zu machen.

Denn bei allen Potenzialen, die Dahlhausen quasi von Hause aus mitbringt und über Institutionen wie das Eisenbahnmuseum und ein Siedlungsprojekt wie den Ruhrauenpark zusätzlich erworben hat, stechen dem unvoreingenommenen Betrachter auch noch einige deutliche Mängel ins Auge. So ist etwa der zeitgleich mit dem Ruhrauenpark geplante Landschaftspark mit Promenade, Grünflächen und Spielplatzanlagen bis heute noch nicht realisiert. Gerade dieser Parkbereich soll jedoch die Verbindung von Ruhrauenpark und Ruhrauen sicherstellen und damit ein wichtiges Anliegen der hinter der Planung des einstigen Güterbahnhofsbereichs befindlichen Leitziele erfüllen. Daneben bestehen die bekannten Verkehrsprobleme, die notwendige Restaurierung der an die Ruhr angrenzenden Altbauten im Bereich der Dr.-C.-Otto-Straße sowie der Lewacker Straße, der geplante und mit Blick auf die Bedeutung wohl auch notwendige Ausbau des Eisenbahnmuseums sowie der historische Bahnhof selbst, einschließlich seines Vorplatzes.

War es bis 2008 möglich, für bestimmte strukturelle Vorhaben Einzelförderungen zu beantragen, führt der Weg zu notwendigen und verfügbaren Landes- oder Bundesmitteln inzwischen nur noch über komplette und integrierte Sanierungskonzepte und –vorhaben. Die Stadt Bochum entspricht dieser Notwendigkeit und hat folgerichtig am 18.12.2008 die Durchführung eines Sanierungsverfahrens sowie die räumliche Festlegung des hiervon betroffenen Sanierungsgebiets beschlossen. Es umfasst mit dem Gelände des Eisenbahnmuseums, des Wohngebiets, des geplanten Landschaftsparks, der Ruhraue und dem Bahnhofsumfeld rund 44ha. Mit diesem Schritt wurde also – wie oben beschrieben - die Grundlage geschaffen, beim Land bzw. Bund Städtebauförderungsmittel beantragen zu können.

Die Sanierungsziele betreffen dementsprechend die Schaffung eines attraktiven Wohnumfelds mit Spiel- und Aufenthaltsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche, die Weiterentwicklung der Ruhraue zu einem Naherholungsgebiet mit Rad- und Fußwegen, die Verknüpfung der Ruhraue mit dem neuen Wohngebiet und dem Ortskern Dahlhausen, die Ordnung des ruhenden und fließenden Verkehrs, die Attraktivitätssteigerung des Eisenbahnmuseums und die Verbesserung der Verkehrsanbindung sowie die Neugestaltung des Bahnhofumfeldes.

Im auf diese Weise umrissenen Sanierungsgebiet leben rund 550 Bürger, die von den Maßnahmen im Dahlhauer Ruhrtal an erster Stelle profitieren sollen. Doch auch für den Rest der heute gut 13.300 Bürger Dahlhausens sollen die angedachten Maßnahmen wichtige Impulse für die künftige Stadtteilentwicklung setzen. Die Stadt Bochum erhielt auf diese Weise erstmals eine tatsächliche „urbane Wasserlage“, so wie sie in den wichtigen Konzepten einer nachhaltigen Stadt- und Regionalentwicklung immer vorgesehen war. Mit dem Landschaftspark soll zudem ein hochwertiger Freiraum entstehen, der den hier lebenden Menschen, aber auch den überregional – beispielsweise durch den Ruhrtalradweg – hinzukommenden Kurzeittouristen einen wichtigen Entspannungs- und Erholungsraum bietet.

Es ist selbstredend schwer zu prognostizieren, inwieweit das Sanierungsvorhaben Dahlhausens in die heutige, von zahlreichen Sparzwängen begleitete Zeit öffentlich leerer Töpfe und Kassen passt. Andererseits erscheint die Investition in einen Bereich wie den hier definierten als eine jederzeit lohnende Angelegenheit. Der Stadtteil Dahlhausen verfügt über das Potenzial ein gutes Stück weit wieder jene Rolle einzunehmen, die ihm bereits Anfang des 20. Jahrhunderts für eine gewisse Zeit zuteil wurde: Die eines gesuchten Naherholungsgebiets mit immensem Freizeitwert und einer über die Gemeindegrenzen hinausreichenden Strahlkraft. Und von einem solchen Dahlhausen profitieren letztlich alle.

Comments are closed.