Wegweiser in die Weihnachtszeit

Bochumer Krippenverein wird 15 Jahre alt

Für die Bochumer Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz steht bereits seit Jahren fest: Erst mit der kleinen, aber feinen Eröffnung der Bochumer Krippentage in Dahlhausen beginnt die Weihnachtszeit so richtig. Sie befindet sich dabei in guter Tradition mit ihrem Amtsvorgänger Ernst-Otto Stüber und vielen anderen, die dem ganz besonderen Bochumer Museum alljährlich mit großer Begeisterung ihre Aufwartung machen. Der Geburtstag des Bochumer Krippenvereins jährt sich dabei in diesem Jahr bereits zum fünfzehnten Male.Krippenpapst Manfred Lipienski
Nicht ohne Stolz auf das Erreichte hat denn auch in diesem Jahr zum Start der Krippentage am 8. November in sein Museum an der Eiberger Straße 60 geladen. Die zahlreich erschienenen Gäste genossen dabei nicht nur die gewohnt kurzweilige Ansprache ihres Gastgebers sowie die schon legendären selbstgebackenen Kekse von Rosemarie Lipienski, sondern wohnten – dem feierlichen Anlass entsprechend - gleichzeitig noch einer kleinen Andacht durch Gerhard Schürmann, Pfarrer im Ruhestand, und Heike Lengenfeld-Brown, Pastorin in der Pauluskirche, bei.
Von denen im Museum anzutreffenden weit über 200 Krippendarstellungen aus mehr als 50 Ländern, steht in diesem Jahr die „Steiff-Krippe“ ganz besonders im Blickpunkt. Weltweite Recherchen hatten Manfred und Rosemarie Lipienski vor Jahren unternommen, um an ein Exemplar der auf 1.000 Exponate limitierten Krippe des renommierten Spielzeugherstellers zu gelangen. Die erfolgreiche Fährte führte schließlich nach London und Moskau, wo man in den berühmten Kaufhäusern Harrods und Gum schließlich fündig wurde. Als Steiff schließlich ein zweites Set herausbrachte, wandte man sich direkt an den Hersteller, erhielt jedoch keine nummerngleichen Exemplare, was einigen Unmut seitens der engagierten Sammler nach sich zog. Ein intensiver und emotionaler Austausch zwischen Rosemarie Lipienski mit dem Hersteller war die Folge, die Lösung des Problems ereilte das Krippenmuseum schließlich, als sich das legendäre KaDeWe aus Berlin der Sache mit annahm. Im auslaufenden Kalenderjahr konnten die Lipienskis ihrer Steiff-Krippe schließlich noch das 3. Set mit den Königen zukommen lassen, dass ebenfalls aus Berlin vom KaDeWe den Weg in Richtung Bochum-Dahlhausen fand (natürlich Nummern gleich). Heute präsentiert sich das Ensemble damit vollständig und in einem eindrucksvollen Lichte.
Wer die Gelegenheit an einer Führung durch das Bochumer Krippenmuseum bis dato noch nicht nutzen konnte, sollte selbiges in der aktuellen Weihnachtszeit unbedingt nachholen. Als Einzelbesucher kann man sich – nach vorhergehender Anmeldung – hierfür beispielsweise  einer samstäglichen Gruppenführung anschließen. Gruppen von zehn bis sechszehn Personen besitzen wiederum die Möglichkeit direkt einen eigenen Termin abzustimmen. Wichtig ist allerdings, dass man auch entsprechend Zeit mitbringt, denn eine Führung durch das Museum, nebst Videofilm über die Entstehung einer orientalischen Rundkrippe sowie dem gemeinschaftlichen Austausch über das fanszinierende Thema „Weihnachtskrippe“ bei Kaffee und Christstollen, ist im „Hause Lipienski“ selten unter zweieinhalb Stunden zu haben. Und ehrlich gesagt: Die Zeit ist auch gut investiert. Die Krippentage dauern noch bis zum 22. Dezember an, nähere Infos und eine Buchungsmöglichkeit gibt es telefonisch unter: 0234/492280.

Kleine Chronologie von Krippenverein und Museum

Zunächst einmal sind sowohl Krippenverein als auch das Krippenmuseum aufs Engste mit dem Namen Manfred Lipienski verbunden. Der 1941 geborene Bochumer führte über zwei Jahrzehnte erfolgreich ein Elektrounternehmen, ehe ihn eine schwere Erkrankung zur Aufgabe seines Betriebs zwang. Auf der Suche nach einem ausfüllenden und sinnvollen Zeitvertreib fertigte er dann 1990 seine erste Weihnachtskrippe. Was zunächst als kleines Hobby begann, entwickelte sich sehr schnell zu einer Passion und tagesfüllenden Aufgabe. Bereits zum Heiligabend 1993 gründete  Manfred Lipienski den „Bochumer Krippenverein e.V.“, dem er bis heute als Vorsitzender auch vorsteht. Der Verein ist nicht nur der erste seiner Art in Bochum, sondern bis heute in ganz NRW einzigartig. Im Jahre 1994 bestand Manfred Lipienski dann seine Meisterprüfung und war fortan Bochums erster Krippenbaumeister. Wiederum nur ein Jahr später ernannte ihn der Krippenverein Oviedo in Spanien zum Ehrenmitglied.
Die Arbeiten Manfred Lipienskis sind durch zahlreiche Presseartikel, Rundfunk- und Fernsehbeiträge heute weit über die Grenzen der Stadt sowie ganz Deutschlands hinaus bekannt und geachtet. Zahlreiche Ausstellungen bei verschiedenen Kirchengemeinden, im Deutschen Bergbaumuseum oder auch der IBA Ausstellung „Feuer und Flamme 200 Jahre Ruhrgebiet“ im Oberhausener Gasometer sowie unzählige nationale und internationale Einladungen belegen dieses nachhaltig. Dabei sind Arbeit und Sammlung aber nur die eine Seite der Medaille. Nicht weniger wichtig erscheint es, wie leidenschaftlich und kenntnisreich der „Bochumer Krippenpapst“ Themen und Hintergründe der Auseinandersetzung mit dem Krippenmotiv in die breite Öffentlichkeit zu tragen vermag. So dauert es zumeist nur wenige Augenblicke, bis seine Gesprächspartner ganz in den Bann seiner Erzählungen und Ausführungen verfallen und mit dem Krippenmotiv auch neue Anstöße zum Menschenbild insgesamt und dem zeitlosen Moment der christlichen Geburt mitnehmen.
Seit 1995 öffnet Manfred Lipienski jährlich die Pforten zu seinem Museum und mit ihnen auch die Bochumer Krippentage. Es wird sich in mittelbarer Nähe wohl kein zweiter Ort finden lassen, der eine so fixierte, facettenreiche und intensive Auseinandersetzung mit dem Symbol für die Heilige Nacht und Weihnachten schlechthin zu bieten vermag. Gleichwohl wird es sich für Außenstehende kaum erahnen lassen, wieviel Leidenschaft, Liebe, Zeit und Mühe vonnöten war um die hier versammelten Exponate in dieser Form zusammenzutragen.
Im Jahre 1997 ergänzte Manfred Lipienski sein Angebot in Zusammenarbeit mit dem Katholischen Forum noch um regelmäßige Kirchen- und Krippenfahrten im Raum Bochum.
Mit dem ehemaligen Bochumer Oberbürgermeister Ernst-Otto Stüber als wichtigem „Glaubensbruder“ und Fürsprecher, fanden die Krippen des Bochumer Krippenmuseums 1999 auch erstmalig den Weg ins Bochumer Rathaus. Gleichzeitig schuf Manfred Lipienski in diesem Jahr mit der heimatlichen Krippe „St. Mathias-Erbstollen“ (siehe Titelbild) seine regional wohl bedeutendste Arbeit. Hier zeigt der Bochumer sich ganz als Kind des Bergbaus und liefert eine emotionsreiche Hommage an die vielleicht wichtigste und prägendste Epoche seiner Heimatregion.
Nicht viel weniger Aufsehen erregte im Jahre 2001 die Schenkung einer Krippe aus den Händen Jassir Arafats. Dieses umso mehr, als dass die Krippe in ihrer Darstellung einen der zwölf Apostel ausspart.
2002 fand Bischof Affonso Gregory aus Brasilien den Weg nach Dahlhausen und im Jahre 2006 erhielt die Stadt Bochum, dank des Krippenmuseums, mit Nai
Wyettey Otabi III. dann sogar königlichen Besuch aus Afrika. Dagegen mutet die im vergangenen Jahr anwesende NRW-Landtagspräsidentin Regine von Dinther beinahe schon bescheiden an.
Doch ob König oder interessierter Kirchgänger und Kunstfreund: Wer bei Manfred Lipienski zu Gast ist, darf sich der Wärme und Aufmerksamkeit eines ganz besonderen Gastgebers gewiss sein. Und das dieses so ist, verdankt der Krippenpapst zu einem großen Stück auch seiner nicht minder engagierten Frau Rosemarie, der sehr großen Anteil am heutigen „Gesamtwerk“ Krippenmuseum hat. Lindah wünscht den beiden Jubilaren vor allem Gesundheit und viel Kraft und ihrem Lebenswerk weiterhin die Beachtung, die dieses wohl einmalige Werk unbestritten verdient.

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