Mein Freund der Baum…

Bürgerinitiative kritisiert Straßenbauprojekt

Als einen Tag der Freude für Linden hatte die Werbegemeinschaft Linden-Dahlhausen die feierliche Eröffnung des Straßenbauabschnitts zwischen Hattinger Straße und Kesterkamp/Am Krüzweg ausgerufen und am 7. September mit einem kleinen Stadtteilfest begleitet. Dass die Freude über das immer wieder von viel Kritik begleitete Projekt auch heute noch nicht ungeteilt ist, belegt indes das Engagement einer Bürgerinitiative „Für mehr Bäume auf der Dr.C.-Otto-Straße in Linden“.

So weist der Vorsitzende der Initiative Karl-Heinz Schlichting seit geraumer Zeit darauf hin, dass im Zusammenhang mit der Baumaßnahme nicht weniger als 17 Großbäume gefällt worden sind. Als Ersatz hierfür seien indes gerade einmal sieben neue Bäume gepflanzt worden. Mehr als 600 Unterschriften hat die Initiative darauf hin gesammelt, wobei sie sich insbesondere darüber verärgert zeigten, dass die Stadt Bochum die Neupflanzung auch noch als „Vorteil verkauft“ habe.

Auch in der Bezirksvertretung scheint man sich inzwischen darüber einig, dass beim Grün im Straßenraum noch nachgebessert werden könne. Der Spielraum hierfür scheint aber deutlich überschaubar, wie bereits aus der Stellungnahme nach Antrag im Rahmen der Bezirksvertretungssitzung vom 29.04.08 deutlich wurde. So heißt es dort: „Im Rahmen der Baumaßnahmen auf der Dr.-C.-Otto-Straße wurden alle Bäume entfernt. Diese waren in einem Zustand, in welchem sie die Bauarbeiten nicht überlebt hätten. Daher wurde bereits in der Planungsphase entschieden, diese zu entfernen und durch Neuanpflanzungen zu ersetzen. Die Bäume sollten weitestgehend am vorhandenen Standort ersetzt werden. Allerdings hat sich dann bereits im Verlauf der Abstimmungsgespräche mit den Versorgungsträgern gezeigt, dass dies nicht überall realisiert werden konnte. Aufgrund der vorhandenen und neu zu verlegenden Versorgungsleitungen (Strom, Gas, Wasser und Entwässerungskanal) verbleibt nicht genug Platz, um die Baumscheiben so ausreichend zu bemessen, dass ein ausreichendes Wurzelwachstum, welches letztlich für die Entwicklungsmöglichkeit der Bäume ausschlaggebend ist, gewährleistet werden kann.“ Das mit der Stellungnahme in Aussicht gestellte „Rangieren der Leitungen“, durch das hier und da noch ein Baumstandort gerettet werden könne, scheint sich heute zumindest einmal in zwei Fällen bewahrheitet zu haben. Statt sieben sind inzwischen neun Neuanpflanzungen beschlossen worden.

Für die Initiative um Karl-Heinz Schlichting ist dieses Ergebnis indes nicht wirklich zufriedenstellend. Er verweist stattdessen auf die zunehmende Versteinerung und Verödung größerer Abschnitte, wie etwa auf der Höhe und Straßenseite der Esso-Tankstelle. Wenn dort keine Pflanzungen vorgenommen würden, stehe auf einer Straßenlänge von etwa 400 Metern auf der „Nordseite“ künftig kein einziger Baum mehr. Dabei bestünden „nach fachkundiger Meinung durchaus Möglichkeiten, mehr Bäume zu pflanzen, besonders auf der so genannten Nordeseite der Straße vor der Tankstelle. Dort ist Platz, nicht nur ober-, sondern auch unterirdisch, da dort keine Versorgungsleitungen zu Häusern abzweigten“. Für die Initiative scheint es offensichtlich, dass bei der Planung die Belange des Straßenverkehrs unverhältnismäßig hoch berücksichtigt wurden. Die Interessen der Anwohner, durch Bäume ihr Wohnumfeld gesünder gestaltet zu haben, sei dagegen  kaum beachtet worden. Als optischen Beleg für die These führt die Initiative auch immer wieder die Zahl und Fläche der neu geschaffenen Parkplätze ins Feld. Es wird zu beobachten sein, inwieweit die politischen Vertreter ihrem für die Initiative entgegengebrachten Verständnis weitere Taten werden folgen lassen können.

Comments are closed.