Einspurig in die Sackgasse?
Problemfall Kassenberger Straße
Das Thema beschäftigt Dahlhausen bereits seit Februar diesen Jahres. Sprichwörtlich bei Nacht und Nebel hatte die Stadt Bochum aus Sicherheitsgründen die Verkehrsführung zwischen Oberdahlhausen und Dahlhausen radikal geändert. Für die seinerzeit unterbliebene Aufklärung der Bürger hat man sich inzwischen entschuldigt, am eigentlichen Vorgehen hält man dagegen unverändert fest. Für den Einzelhandel in Dahlhausen könnte sich gerade das als folgenschweres Dilemma entpuppen.
Denn unabhängig davon, wie richtig und nützlich eine – wie auch immer gelagerte – künftige Verkehrslösung am Kassenberger „Nadelöhr“ sein mag, klagen die ohnehin wenigen heute noch in Dahlhausen verbliebenen Geschäftsleute über ein akutes Problem: Ihnen bleiben die Kunden weg!

Sackgasse für den Einzelhandel in Dahlhausen?
Mit der Entscheidung, die Verkehrsführung für Kraftfahrzeuge nach Dahlhausen im Zuge der Maßnahmen temporär von der Kassenberger Straße weiträumig über das Sattelgut umzuleiten, orientieren sich viele Kunden bei ihren Einkäufen offenbar direkt anderweitig. Deutlich leere Geschäfte und ein zunehmend verwaister Wochenmarkt sind die traurige Folge.
Auch das traditionsreiche Gasthaus „Heinrichsbauer“ sieht sich von der aktuellen Verkehrsregelung nachteilig betroffen. Der Grund hierfür klingt ebenso ungewöhnlich wie nachvollziehbar: Als zuvor gesuchter Bewirtungspartner für Trauerfeiern, sieht sich das Lokal auf unbestimmte Zeit verkehrtechnisch vom Dahlhauser Friedhof und damit von einem durchaus wichtigen Zusatzgeschäft abgeschnitten. Denn eine Anfahrt von knapp dreieinhalb Kilometern kommt für die meisten Trauergäste nicht in Frage.
Genau diese Aspekte kamen in der jüngsten Vergangenheit bei entsprechenden Veranstaltungen (Bürgerversammlung, Dahlhauser Themenabend) zur Sprache. Auffällig dabei, dass quer durch alle politischen Fraktionen und Schichten der Bevölkerung eigentlich niemand die Notwendigkeit der Baumaßnahme sowie die Qualität der erarbeiteten und präsentierten Lösungen anzweifelt. Die Kritik richtet sich vielmehr gegen die in der jetzigen Form vollzogene Überbrückungsphase. Denn nach dem heutigen Stand ist durchaus davon auszugehen, dass der Baubeginn im günstigsten Falle zu Beginn des kommenden Jahres erfolgen und das Provisorium somit noch einen Bestand von mehr als einem Jahr haben dürfte. Notwendige Phasen der Vollsperrung sind hierbei nicht einmal berücksichtigt. Kein Wunder also, dass sich der eine oder andere Händler sorgt, ob sein Geschäft einen so langen Atem hat.
Gesucht ist also eine schnelle Abänderung der Übergangslösung mit dem Ziel, den Verkehrsfluss nach Dahlhausen nicht mehr als unbedingt nötig einzuschränken. Vorschläge, die auf eine beidseitige Befahrung des „Nadelöhrs“ (etwa durch Ampeln oder Spiegel) hinauslaufen, werden bei der Stadt Bochum jedoch keine Berücksichtigung finden. Größere Chancen könnte man da schon dem Ersuchen einräumen, die einseitige Fahrtrichtung an der Kassenberger Straße zu ändern und stattdessen den aus Dahlhausen abfließenden Verkehr über das Sattelgut umzuleiten. Damit müsste man den über die Umleitung wegfahrenden Fahrzeugen entgegen der jetzigen Regelung zwar zweimaliges Linksabbiegen zumuten, gewönne andererseits aber vielleicht einen wertvollen psychologischen Vorteil für die Dahlhauser Geschäftswelt. Denn wer zunächst einmal bequem in den Ort kommen kann, nimmt anschließend vielleicht eher billigend den kleinen Umweg auf dem Heimweg in Kauf.
Mit dem favorisierten Modell einer „Gambionen Wand“ als Verbreiterungsmöglichkeit für das Kassenberger Nadelöhr trifft die Arbeitsgruppe der Stadt Bochum dagegen schon deutlicher den Nerv der ansässigen Bevölkerung. Das aus den Schweizer Alpen entlehnte Modell liegt mit einem Kostenaufwand von rund 850.000 Euro genau in der Mitte der drei alternativ erarbeiteten Lösungen und stellt sowohl hinsichtlich seiner Wirtschaftlichkeit als auch in Bezug auf die zeitliche Umsetzbarkeit und etwaigen Umweltaspekte die wohl überzeugendste Variante dar. Mit einer Fahrspurbreite von 4,75m und einem 1,5m breiten Gehweg sollte bei diesem Modell dann oberhalb der mit Natursteinen und begrünten Drahtgitterkörben (den Gambionen) ausreichend Platz für alle Verkehrsteilnehmer vorhanden sein. Doch selbst bei den derzeit vorherrschenden günstigsten Zeitrechnungen, wird die Auftragserteilung im Anschluss an die gegenwärtig noch stattfindenden Untersuchungen frühestens gegen Ende des Jahres erfolgen. Baubeginn wäre demnach dann Anfang kommenden Jahres. Viel Zeit also, die vom engagierten Dahlhauser Einzelhandel erst einmal überbrückt werden müsste.
Bleibt also zu wünschen, dass die Stadt Bochum sich in Sachen Kassenberger Straße nicht nur auf eine Lösung mit Weitblick beschränkt, sondern sich daneben auch noch den Blick für kurzfristige Anliegen mit möglicherweise weitreichenden Folgen bewahrt. Dann wäre ihr zweifelsfrei großer Applaus aus Dahlhausen sicher.